Leserbrief von Nicole Munk
Was ist der Bürger noch wert?
Gas- und Heizölpreis rauf, Benzinpreis rauf, Ökosteuer setzt noch zweimal drauf - Renten runter, Lebensqualität runter
Molkerei Deutschland: Sind wir Melkkühe?
"Die Kuh die man melkt, sollte man gut füttern". Ein altes Sprichwort, das in unserem Land seine Bedeutung total verloren hat. Ersetzt wurde es durch: "Der Kuh die man melkt, trete man kräftig in den Euter, damit man auch noch den letzten Tropfen herausquetschen kann".
Wie die Bürger derzeit in unserem Lande ausgequetscht werden, das geht schon auf keine Kuhhaut mehr.
Einer vernünftigen Beanspruchung der Bevölkerung steuerlicherseits, sollte es zum Nutzen aller sein, ist nichts entgegenzusetzen. Bittet man jedoch das Volk zur Kasse um die eigene Unfähigkeit mit dem Geld anderer umzugehen auszugleichen, sollte man ruhig auch mal das Wort kriminell in den Mund nehmen.
Im Jahre 1998 versprach Bundeskanzler Schröder vollmundig eine allgemeine Vorruhestandsregelung. Heute, nur zwei Jahre später, trifft sein Arbeitsminister Riester die Aussage- "Rente mit 67!"
Seit Amtsantritt der Rot-Grünen Regierung in Bonn zeigt sich der wahre "soziale" Charakter. Der Rentenbetrug des Kanzlers und seines Arbeitsministers geht zu Lasten derer, die sich jahrzehntelang für den Staat krummgelegt haben und als Quittung dafür nun im Alter auf Vieles verzichten, ja sogar noch einige Jahre (bis 67) dranhängen sollen. Schon heute arbeiten viele Rentner nebenher, um nicht zum Sozialfall zu werden. Wer ein Leben lang in die Rente eingezahlt hat, bekommt nicht einmal das Einbezahlte zurück. Da wird sogar die Rückkehr zum guten alten Sparstrumpf wieder interessant! Nimmt man die Aussage des Arbeitsminister Riesters als bare Münze hieße dies: Die heute 60-jährigen haben bereits zum Großteil ein 45-jähriges Berufsleben hinter und noch weitere sieben Jahre vor sich. Insgesamt also 52 Jahre Arbeit. Nimmt man den durchschnittlichen Berufseinstieg der heutigen Zeit, der durch Abitur, Schule oder Studium zwischen 25 und 28 Jahren liegt, so hieße dies, dass zukünftige Generationen bis 77 oder gar 80 arbeiten müssten, um auf die gleiche Anzahl an Arbeitsjahren und auch den gleichen Beitrag zur Rentenversicherung zu kommen. Der Schritt zurück in die Zeiten vor der Weimarer Republik wäre perfekt. "Arbeiten bis zum Umfallen". Und das nicht, weil man in jungen Jahren zu faul war, sondern die späte beruflichen Einstiegs- und Entfaltungsmöglichkeiten gleich null sind.
Die Jugend soll für eine Finanzierung der Rente sorgen, erhält aber nicht die Möglichkeit rechtzeitig damit zu beginnen. Zu lange Schule, zu lange Studienzeiten, veraltete Lehrmethoden (Beispiel SoftWare-Inder), kurz ein total veraltetes Bildungssystem verhindert einen erfolgreichen, frühen Start ins Berufsleben und zieht somit eine "No Future-Generation" heran.
Also eine Milchmädchenrechnung. Deutschland ist zur Molkerei geworden und in Berlin sitzen die Melkmeister.
Stadtzeitung Bad Nauheim Nr. 470 vom 22.09.2000
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